Brauchtum

Das Böllerschießen hat zwar eine traditionsreiche aber nur teilweise durch alte Chroniken belegbare Geschichte, die weit ins 14. Jahrhundert zurückreichen dürfte.

Trotz langwieriger, intensiver Nachforschungen in Bibliotheken und Museen ist es bis heute nicht zweifelsfrei gelungen, dass entstehen dieses Brauchtums exakt nachzuweisen. Das seit Jahrhunderten ausgeübte Böllerschießen ist Pflege alten Brauchtums und hat sich vom Kriegsbrauch zum Volksbrauch entwickelt.

Ein weiteres, allerdings nicht ganz so bekannte Zeugnis über die Aktivitäten unserer Vorfahren im Hinblick auf das Böllerschießen stammt aus Mittelfranken. So ist man in der Markgrafschaft Ansbach gegen diesen Brauch wegen seiner Gefährlichkeit von Seiten der damaligen Obrigkeit kräftig vorgegangen. In einem markgräflichen Erlass vom 16.Juli 1696 wurde bei Strafandrohung verboten : „dass bei den Hochzeiten auf dem Land die Bauern – Kerl und Junge Bursch mit allerhand Feuern und Rohren platschen und Freudenschüsse – tun". Wenn es eines solchen Verbotes bedurfte, muss zwangsläufig vorher schon geböllert worden sein !

Die Menschen haben zu allen Zeiten versucht mit der Erzeugung von Lärm die Geister oder das Wetter zu beeinflussen, dies taten sie anfänglich mit allerlei Gerät, bis zu dem Zeitpunkt da Schwarzpulver ins Spiel kam.

Die Motivation zum Böllerschießen hat sich im Laufe der Jahrhunderte von dem Wunsch nach rascher Verbreitung von Warnungen, Lebensfreude, zu der feierlichen Untermalung in jeglicher Form (Heimatvereine, Brauchtumsvereine, Trachtenvereine) hin entwickelt.

Niemand glaubt heute mehr an böse Geister, oder daran das Wetter verbessern zu können indem er ein paar Böllerschüsse gen Himmel schickt. Aber allgemein großes Entzücken und Freude können Böllerschüsse anlässlich einer Hochzeit, oder der Eröffnung einer fränkischen Kirchweih und auch die Einholung des Schützenkönigs sowie zur Eröffnung von anderen hohen weltlichen und kirchlichen Festen erzeugen.

Das Böllerschießen war weder in der Vergangenheit, noch in der Gegenwart als eigenständiges Brauchtum zu verstehen, sondern ist immer als begleitendes Element für ganz bestimmte Anlässe im kirchlichen und weltlichen Jahresverlauf ein Bestandteil vorrangiger Bräuche und Traditionen.

Zum Beispiel dient das Berchtesgadener Weihnachts- oder „Christkindlschießen" als Ausdruck der Freude über die Ankunft des Heilands auf unserer Welt und zu dessen Begrüßung.

Oder die Böllerschüsse anlässlich einer Königsproklamation in unseren Schützenvereinen, auch hier sind sie nicht Selbstzweck, sondern begleitendes Beiwerk einer besonderen würdevollen Feier.

Beispiele gäbe es noch viele, aber es ist unschwer für jedermann nachzuvollziehen, dass es zum Böllerschießen immer besondere Anlässe gibt, die im Vordergrund stehen und für die wir Böllerschützen mit unserem Tun stets schmückendes Beiwerk sein werden.

Weil aber Bräuche sich regional unterscheiden, weil sie sich stets weiterentwickeln, wenn weiter existieren wollen und auch weil Brauchtum jederzeit neu entstehen kann, gibt es auch keinerlei Anspruch auf eine einheitliche und gleichermaßen für alle Orte und Regionen im Lande geltende Bedürfnisregelung.